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Kultur
«Ernen ist eingefügt in die naturgegebenen Ordnungen, in das Landschaftsbild. Es ist ein harmonisches Dorf, so dass der Geschichts- und Formenfpindliche nicht zögert, Ernen das schönste Dorf des Wallis zu nennen.»
Auf diese Weise charakterisiert der bedeutende Kunsthistoriker Domherr Dr. Albert Carlen den Zendenhauptort im Goms. Auch der Schweizerische Heimatschutz hat die Schönheiten dieses Dorfes und seine Bemühungen um die Erhaltung des Ortsbildes anerkannt. 1979 wurde Ernen der Henri-Louis-Wakker-Preis verliehen. Damit ist die Erhaltung und Restaurierung des alten Kulturgutes erst recht zu einer edlen Verpflichtung geworden, zu der wir alle nun aufgefordert sind. Zu diesem Zweck wurde 1980 die Stiftung und Vereinigung Heimatmuseum und Kulturpflege gegründet. Diverse Objekte konnten bereits restauriert werden.
Ernen - Das Musikdorf in der Schweiz!
Das Musikdorf Ernen ist mit der Klavierwoche, den Barockmusikwochen sowie dem Festival der Zukunft weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
Ernen – rund 20 Kilometer nordöstlich von Brig gelegen, umgeben von einer traumhaften Landschaft – gehört zu den schönsten Dörfern im Wallis. Während Jahrhunderten stand das Bergdorf im Zentrum europäischer Machtpolitik und bildete mit dem Albrunpass einen wichtigen Knotenpunkt auf dem Weg nach Italien. Erben dieser Epoche sind eine herrschaftliche Architektur und ein reiches kulturelles Leben, zu dem übrigens auch die örtliche Spitzengastronomie zählt.
Als Musikdorf geniesst Ernen international einen ausgezeichneten Ruf. Den Grundstein zum alljährlich im Sommer stattfindenden Klassikfestival legte 1974 der Pianist György Sebök mit Meisterkursen für Klavier und Kammermusik. Diese wurden jeweils begleitet von öffentlichen Konzerten.
Der professionelle Anspruch ist nach wie vor gültig: Das Musikdorf Ernen bietet mit der Klavierwoche, den Barockmusikwochen und dem Festival der Zukunft Musik vom Feinsten. Ergänzt wird das Programm jeweils von literarischen Angeboten und Seminaren für Musikliebhaberinnen und –liebhaber. Das kleine, von der lokalen Bevölkerung engagiert mitgetragene Festival ist überaus erfolgreich.
Das Musikdorf Ernen verzeichnet seit Jahren steigende Besucherzahlen. Geschätzt vom Publikum wird die Ernsthaftigkeit der musikalischen Auseinandersetzung, die Qualität der Konzerte und die familiäre Atmosphäre. Ernen freut sich auf interessierte Gäste und heisst Sie herzlich willkommen im Musikdorf.
Weitere Informationen unter www.musikdorf.chDie Mühle Bonacher
Die Kännel zwischen Mühlebach und Ernen
Das Jost-Sigristen-Haus
Das Jost-Sigristen-Haus beim unteren Hengert (Dorfplatz) wurde 1581 durch «Martinvs Iost Maior et Banderatus» (Meier und Bannerherr des Zenden Goms) erbaut, wie die Inschrift am Dielbaum (Deckenbalken in der Stube) besagt. Aus dem gleichen Jahr stammen drei Giltsteinöfen im Haus. Bald darauf wurde das Holzhaus vom gleichen Besitzer mit einem steinernen Anbau (mit Fassadenmalereien und Jahrzahl 1601) erweitert. 1771/72 erhielt das Haus seine heute noch grösstenteils vorhandene Ausstattung (Stube mit Täfer und Schrank) durch Iacobus Valentin Sigristen (1733-1808), einen typischen Vertreter des Ämterpatriziates im späten 18. Jahrhundert. Sigristen ist als der letzte Landeshauptmann des alten Wallis vor dem Einmarsch der Franzosen in die Geschichte eingegangen. Die Stubendecke wurde mit zwanzig flachen Kassetten verkleidet und diese mit allegorischen und religiösen Motiven ausgemalt. 1796 liess der gleiche Besitzer die Stube im steinernen Anbau ausmalen. 1989 richtete die Gemeinde zusammen mit der Stiftung und Vereinigung Heimatmuseum und Kulturpflege ein Museum ein, das uns den Alltag eines Landeshauptmannes im alten Wallis näher bringen soll.
Das Museum ist von Mitte Juni bis Ende Oktober jeden Mittwoch und Sonntag von 17.00-18.00 Uhr geöffnet. Im Winter wird das Museum am Mittwoch und Sonntag nur auf Voranmeldung geöffnet. Jedes Jahr findet im Sommer eine Sonderausstellung statt.
Ernerfeld der Obstgarten des Zendenhauptortes
Das Ernerfeld war seit jeher der Obstgarten des Zendenhauptortes. Seine Pracht beschrieb zum Beispiel der berühmte Chronist Johannes Stumpf 1548: "Ernen ein gar herrliches Dorf und stattlicher Hauptfleck des zendens Goms liegt auf einer schönen fruchtbaren und grasreichen Höhe". Da der Transitverkehr seit der Anlage der Furkastrasse 1862/64 nicht mehr durch Ernen führt, blieb das Ernerfeld in seiner einzigartigen landschaftlichen Schönheit bis heute erhalten. In letzter Zeit sind leider viele überaltete Kirsch- und Apfelbäume verschwunden. Verkehrsverein sowie Stiftung und Vereinigung bemühten sich deshalb, die Bauern mit finanzieller Beihilfe zum Anpflanzen von Obstbäumen zu animieren, damit die von weither sichtbaren Blütenpracht auch weiterhin erhalten bleibt.
Das Putzhaus üf en Egge
Im Sommer brachte die Putzera das lebensnotwendige Wasser aus Mühlebach auf die Alpe Frid und die Eggera auf die Wiesen und Weiden «üf en Egge» und die Binnegge. Beim Unterbruch der Wasserfuhren durch Unwetter oder Erdrutsche oder bei Schneefall fiel diese Wasserversorgung aus. Darum haben die Bauern Wasserreserven anlegen müssen, so zum Beispiel in einem «Putz» (Weiher) oder in grossen Holzfässern, die bei jedem Stall auf Eggen vorhanden waren. Das «Putzhaus», ein traditioneller Blockbau, diente ebenfalls der Wasserversorgung. Im Innern sind auf drei Seiten ausgehöhlte Baumstämme zum Tränken der Tiere vorhanden, in die das Wasser mit «Holzschöpfer» (Holzkelle) geleert wurde.
Der Kalkofen
Gebrannter Kalk war bis in unser Jahrhundert das gebräuchliche Bindemittel für die Herstellung von Mörtel und Verputz. Erst mit dem Aufkommen des Zementes verlor er im Baugewerbe seine vorherrschende Bedeutung. Auch Kalköfen, die in der Regel in der Nähe von Kalksteinvorkommen anzutreffen waren, sind damit aus dem Landschaftsbild verschwunden. Nur einige dieser stillen Zeugen alter Baukunst haben sich erhalten, so auch ein Ofen im Schlund auf etwa 1780 m.ü.M., östlich der Alpe Frid, der im Sommer 1991 restauriert worden ist.
Die Herstellung von Kalk erfolgte in mehreren Schritten. Am Anfang stand der Kalkofen, in den man die an Ort gewonnenen Kalksteine, zusammen mit viel Holz nach bestimmten Regeln in mehreren Schichten einlegte und während 2-3 Tagen bei etwa 1000 Grad erhitzte. 4-5 Tage vergingen, bis die Steine durchgeglüht waren, weitere 2-3 Tage brauchte es bis zur Abkühlung. Danach vermischte man das weissliche Kalkpulver mit Wasser; die dadurch entstandene zähflüssige Kalkmilch wurde bis zum Gebrauch auf der Baustelle in einer Erdgrube (Sumpfbad) gelagert. Erst dann stellte man auf der Baustelle mit Sand und Wasser und weiteren Beigaben den benötigten Kalkmörtel her.
Tellenhaus
Als Wohnhaus und Suste 1576 am Hengert erbaut, mit den ältesten datierten Tellfresken der Schweiz (1578) verziert. Älteste Tellfresken der Schweiz
Zur Zeit der Reformation verteidigte der Zenden Ernen seinen alten Glauben mit Hilfe der Matze (Symbol des Aufstands), zog sich vom Bund der sieben Zenden zurück und verbündete sich mit der Innerschweiz. Aus dieser Zeit stammen die ältesten Tellfresken auf dem Tellenhaus, welche zur Begrüssung einer innerschweizer Delegation aufgemalt wurden. Sie zeigen die Apfelschusszene, den Rütlischwur und den Fall Gesslers. 